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Assoz.-Prof. PD Mag. Dr. Gunther Marsche

   
 

INSTITUT
Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie
Medizinische Universität Graz

ADRESSE
Universitätsplatz 4, 8010 Graz
T +43 (0)316 | 380 - 4513
F +43 (0)316 | 380 - 9645
gunther.marsche@medunigraz.at

PUBLIKATIONEN
- PubMed.gov

SCIENCE SOCIAL NETWORK:
- BiomedExperts
- ResearchGate

Nach wie vor sterben in den westlichen Industrienationen die meisten Menschen an den Folgen von Arteriosklerose, daher steht kaum eine Krankheit so im Blickfeld der medizinischen und biochemischen Forschung wie diese. Problematisch an dieser allgemeinen Erkrankung des Arteriensystems ist, dass sie sich langsam entwickelt und über Jahre und Jahrzehnte ohne offensichtliche Symptome verläuft, bis sie sich durch Schlaganfall, Herzinfarkt oder plötzlichen Tod manifestiert.

Äußerst interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die vermehrte Bildung von Cholesterin-beladenen Schaumzellen in der Arterienwand bis hin zu weiter fortgeschrittenen arteriosklerotischen Plaques umkehrbar ist. „High-density lipoproteins“ – HDL – spielen im Rahmen des Fettstoffwechsels eine besondere Rolle, da sie den reversen Cholesterintransport vermitteln. Das bedeutet, dass HDL nicht wie die anderen Lipoproteine für die Versorgung einer Zielzelle mit Lipiden zuständig sind, sondern überschüssiges Cholesterin aus der Peripherie und damit auch aus arteriosklerotischen Plaques abtransportieren.

Umgangssprachlich nennt man das im HDL enthaltene Cholesterin deswegen auch das gute Cholesterin – im Unterschied zu dem in den „low-density lipoproteins“ – LDL – enthaltenen bösen Cholesterin, das die Arteriosklerose fördert. Da HDL die wichtigsten Transportvehikel sind, die Cholesterin aus dem Gewebe abtransportieren können und Cholesterin einer der zentralen Bestandteile von atherosklerotischen Plaques in Blutgefäßen ist, wirkt HDL prinzipiell anti-atherogen. Aufgrund der anti-atherogenen Eigenschaften steht HDL immer stärker im Fokus der Forschung.

Gunther Marsche, Jahrgang 1968, beschäftigt sich am Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Graz mit Fragen des gestörten Cholesterinstoffwechsels bei der Entstehung von Arteriosklerose. In seiner, mit dem ­„Otto-Kraupp-Preis“ zur besten medizinischen Habilitation Österreichs prämierten Arbeit, konnte Gunther Marsche zeigen, dass HDL bei entzündlichen Erkrankungen, als welche man die Atherosklerose betrachtet, seine protektiven Fähigkeiten verlieren kann. Neben „klassischen“ molekular- und zellbiologischen Techniken liegen die methodischen Schwerpunkte seiner Arbeitsgruppe in der Entwicklung von neuen Methoden zur Analyse von pathophysiologisch relevanten Veränderungen von Lipoproteinen. So konnte das Forschungsteam um Gunther Marsche zum Beispiel zeigen, dass HDL in arteriosklerotischen Läsionen modifiziert und oxidiert wird, was seine Fähigkeit, Cholesterin abzutransportieren, stark beeinträchtigt. Die neuesten Forschungsergebnisse zeigten aber auch, dass sich die Zusammensetzung und Funktion von HDL im Blut von Hochrisikopatienten erheblich verändern kann.

Nachdem das Arterioskleroserisiko dramatisch mit dem Altern zunimmt, verleiht die demographische Entwicklung unserer Bevölkerung dem Forschungsschwerpunkt von Gunther Marsche besondere Bedeutung. Möglicherweise können diese Erkenntnisse die Grundlage zur Entwicklung einer neuen Gruppe von Arzneimitteln zur Therapie der Arteriosklerose bilden.

 

Forscher-Profil erschienen im botenstoff 03.11