„AICI-Forum“: Künstliche Intelligenz zieht in die Notaufnahme ein

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Heimische Medizintechnik als internationaler Vorreiter: In Kärntens Spitälern kommt seit wenigen Monaten erstmals künstliche Intelligenz in der Diagnostik zum Einsatz. Gemeinsam mit dem steirischen Humantechnologie-Cluster Human.technology Styria (HTS) wird nun daran gearbeitet, KI insgesamt noch stärker in die Medizin zu integrieren. Schon beim Fachkongress „AICI“ am kommenden Wochenende werden die Weichen dafür auf internationalem Niveau gestellt. Steirische Technologien stehen ante portas.

Hunderte Einzelbilder, deren rasche Analyse über Leben und Tod entscheidet. Es mag dramatisch klingen, doch die riesigen Datenmengen stellen Ärzte in der radiologischen Diagnostik tatsächlich tagtäglich vor große Herausforderungen - an denen auch Menschenleben hängen können. "Repetitive Aufgaben kosten Medizinern wertvolle Zeit, die andernorts wesentlich effektiver und zielgerichteter eingesetzt werden könnte", erklärt Primarius Thomas Kau, Leiter der Radiologie am LKH Villach. Antrieb für ihn, mit dem "AICI Forum" den interdisziplinären Medizin-Fachkongress zum Thema künstliche Intelligenz (KI) ins Leben zu rufen. Rund 300 internationale Teilnehmer haben sich nach dem erfolgreichen Vorjahr für die zweite Auflage des diesmal digitalen Events angemeldet: "KI kann jene Bilder filtern und vorselektieren, die Bemerkenswertes zu Tage bringen. Dadurch bleibt den Ärzten mehr Zeit für konzentrierte Diagnoseerstellung und patientennahe Tätigkeiten. Das 'AICI'-Forum zeigt diese innovativen Möglichkeiten der KI auf, mit deren Potenzial die Diagnostik revolutioniert werden kann", sagt Kau.Anhaltspunkte für diesen Befund sind vor allem eine international vielbeachtete Premiere an den KABEG-Standorten Klagenfurt, Villach und Wolfsberg: In den drei Spitälern finden seit wenigen Monaten drei KI-basierte Algorithmen in der Computertomografie (CT)-Diagnostik Anwendung. Konkret überprüft die künstliche Intelligenz, ob etwa Blutungen im Gehirn, eine Lungenembolie oder eine Rippenfraktur vorliegt. "Wir schätzen den zweiten Blick vor allem dort, wo es schnell gehen muss, insbesondere also in der Notfallaufnahme", betont der Primarius. Die ausgiebige Testphase habe gezeigt, "dass die KI sehr wenig übersieht, aber in manchen Fällen falsch positive Einschätzungen abgibt", sagt der Chefarzt, der unterstreicht: "Die größte Genauigkeit erreichen Mensch und Maschine gemeinsam. Das Zusammenwirken von KI und Arzt bleibt also weiterhin entscheidend." Schon demnächst soll das KI-basierte Projekt laut Kau indes auch auf die Krebsdiagnostik ausgeweitet werden, entsprechende Evaluierungen sind bereits eingeleitet.

Hohes Marktpotenzial für künstliche Intelligenz
Zurzeit kommen die in Kärnten verwendeten Technologien noch aus dem israelischen "MedTech-Hub" Tel-Aviv. Geht es nach dem HTS sollen aber schon bald zunehmend auch heimische Entwicklungen Einzug in die Krankenhäuser halten: "Künstliche Intelligenz ist einer der zentralen Innovationstreiber in der Medizintechnik. Unsere klinischen und Wirtschaftspartner müssen sich noch stärker mit dem Thema der künstlichen Intelligenz auseinandersetzen, um unser Gesundheitssystem langfristig absichern zu können. Daher haben wir dieses Thema auch als eines unserer strategischen Schwerpunktfelder definiert", erklärt HTS-Geschäftsführer Johann Harer, der sich mitverantwortlich für die Umsetzung des Fachkongresses zeichnet. Als ökonomischer Anhaltspunkt: Für das Jahr 2025 hat eine Fraunhofer-Studie ein Umsatzvolumen von 2,5 Milliarden Euro allein für Anwendungen des maschinellen Lernens im Gesundheitswesen prognostiziert - nicht ganz ohne heimische Beteiligung, wie der HTS-Geschäftsführer betont: "Viele unserer Jungunternehmen greifen in irgendeiner Form auf Methoden der künstlichen Intelligenz zurück - nicht nur im Kontext der klinischen Bildgebung. KI aus der Steiermark findet auch in der Demenz-Prävention, Reha-Nachbehandlung und Schlaganfall-Prädiagnostik Anwendung", erklärt Harer.

Digitaler Zwilling
Konkret hat etwa das steirische Start-up medaia mit "SkinScreener" eine App zur raschen Beurteilung des Hautkrebs-Risikos auf den Markt gebracht. KML Vision analysiert Gewebebilder mit Hilfe von KI und Leftshift One hat generische Modelle zur Bildverarbeitung in der Medizintechnik entwickelt. "Diese Beispiele zeigen die hohe Innovationskraft der steirischen Entwicklungen. Nun ist es zentral, die Akzeptanz für künstliche Intelligenz unter den Ärzten, Versicherungsträgern und auch den Patienten weiter zu steigern. Nur dann ist ein durchschlagender Erfolg möglich", betont Harer. Langfristig würde die Entwicklung in Richtung eines "digitalen Zwillings" gehen, betont der HTS-Geschäftsführer: Ärztliche aber auch die - etwa durch Fitness-Tracker & Co. - gesammelten Daten würden dabei soweit wie möglich ein detailgetreues, digitales Ebenbild des Patienten am Computer nachstellen. "Der digitale Zwilling ermöglicht, die Folgen einer Operation oder die Einnahme bestimmter Medikamente auf den individuellen menschlichen Organismus zu simulieren, Erfolgsaussichten und Risiken einer Behandlung zu ermitteln und den Heilungsverlauf abzuschätzen - alles unter Zuhilfenahme der künstlichen Intelligenz", erklärt Harer.

Über das "AICI Forum
"Das "AICI Forum" (steht für artificial intelligence in clinical imaging) ist eine interdisziplinäre Veranstaltung, die Lösungen für KI-basierte Bilddiagnostik, deren klinische Anwendung, Sicherheit und die beruflichen Herausforderungen solcher Technologien ins Zentrum stellt. Zielsetzung ist es, die unterschiedlichen Player des Gesundheitssystems zusammen zu bringen und zum Austausch auf einer gemeinsamen Informationsbasis anzuregen.

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