An der Grenze zu einer neuen Ära

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Vom Roboter Pepper bis zum Vortrag über das IBM-Superhirn Watson: Am Sommerfest des Humantechnologie-Clusters Steiermark drehte sich alles um die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz.

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„Am Ende bin ich nur ein Roboter“, erklärte Pepper auf Nachfrage, ob er denn ein Bub oder ein Mädchen wäre. Der 1,2 m große, humanoide Roboter ist ein Beleg dafür, dass die künstliche Intelligenz in den Alltag Einzug hält. Verknüpft man die Maschine, die Emotionen erkennen und auf Änderungen in der Sprache und der Gestik reagieren kann, mit einem Superhirn wie jenem von IBMs Watson, sind schon heute Dialoge möglich, die der menschlichen Kommunikation nicht mehr nachstehen. „Sie glauben gar nicht, was Menschen Robotern alles erzählen. Dinge, die von Mensch zu Mensch nie besprochen werden“, weiß Haig A. Peter. Der Spezialist für künstliche Intelligenz von der IBM-Europa-Forschungszentrale in Rüschlikon (Schweiz) zog mit seinem Vortrag über die nun beginnende „kognitive Ära“ beim Sommerevent des Humantechnologie-Clusters Steiermark mehr als 100 Gäste in seinen Bann.

Peter sieht hinter den Dialogen zwischen Mensch und Maschine Daten. Oder besser gesagt gewaltige Datenmengen, die sich aus Sprache, Industrie, Wirtschaft oder dem Alltagsleben ableiten lassen; allein 2500 Fotos macht ein Mensch durchschnittlich pro Jahr. „Vergessen Sie Big Data, in Wirklichkeit gibt es einen Tsunami of Data“, erklärt Peter. Würde man alle aktuell vorhandenen Daten auf iPads speichern mit 128 Gigabyte Speicher, könnte man mit den notwendigen Geräten die chinesische Mauer nachbauen – zehn Meter hoch. Bis 2025 werden es 165 Zetabyte sein – ein Menge weit jenseits des menschlichen Vorstellungsvermögens. Und dort ist noch lange nicht Schluss.

Für den KI-Spezialisten ist sei die künstliche Intelligenz gefordert, natürliche Sprache zu verstehen, auf Basis von riesigen Datenmengen Schlüsse zu ziehen und Empfehlungen für Menschen zu geben und zu lernen. „Wir bringen unserem System bei, mit Daten im Kontext umzugehen, mit Diagrammen, mit Fotos“, sagt Peter. Würde ein Onkologe alle Publikationen in seinem Umfeld lesen wollen, müsste er 160 Stunden pro Woche aufwenden. Das kann niemand. IBM-Watson schafft das in Sekunden. Und „er“ kann die Studiendaten mit Patientendaten abgleichen und Diagnosen stellen, die schon heute gleich präziser seien wie jene von Ärzte. Mehr noch, gibt es schon jetzt Beispiele, wo die Diagnose von Watson zu erfolgreichen Therapien führte, wo Ärzte versagt haben. Was kein Wunder ist, wurde doch Watson mit Milliarden von genetischen Daten und wissenschaftlichen Erkenntnissen gefüttert, die kein Mensch mehr berücksichtigen kann.

Für Haig A. Peter steht die Menschheit an der Grenze zu einer neuen Ära, in der künstliche Intelligenz zum Alltag gehören wird – ebenso wie radikale Kooperation, weil man die Herausforderungen rund um kognitive, maschinelle Zugänge nicht im Alleingang lösen könne. IBM arbeite etwa mit Apple, Facebook oder Salesforce zusammen. Auf die KI von Watson trifft man nicht nur im Medizin-Umfeld, sondern zum Beispiel bei Sportartikel-Herstellern, die verknüpft mit Watson Bekleidungstipps ebenso geben wie Anleitungen zu einem optimierten Trainingsverhalten. Durch das Beobachten der Atmung beim Schlaf könne man etwa Rückschlüsse auf eine mögliche COPD-Gefährdung ableiten.

Immer müsse man darauf achten, dass diese Systeme ordentlich und nachhaltig genutzt werden. „Wir dürfen den ethischen Aspekt nie vergessen. Die letzte Entscheidung muss immer der Mensch treffen. Und eines wird eine Maschine nie haben – das Bauchgefühl, dass uns so oft richtig liegen lässt“, so Peter.

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