Blockchain on Stage: Future of Life Science

Neuigkeit

Blockchain als visionäre Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und doch bereits in viel mehr Unternehmen als Sie vielleicht denken. Es liegt im Aufgabenfeld der Human.technology Styria GmbH (Humantechnologiecluster Steiermark - HTS) neue Märkte, Forschungszweige und Zukunftstechnologien zu erkennen und ihre Chancen abzuwägen - darum lud die HTS am 15.03.2018 mehr als 130 BesucherInnen in das UCI Kinowelt Annenhof um über dieses spannende Thema zu sprechen und viel wichtiger: sprechen zu lassen. Diese Veranstaltung wurde von der Plattform Gesundheitswirtschaft Steiermark und dem Zentrum für Wissens- und Technologietransfer unterstützt.

Blockchain - Währungsaustausch - Microfluidics: Was hat das mit Life Science zu tun?

Willy Henrique Säuberli, der Executive Briefing Consultant von IBM Research Zürich versuchte die Begriffe etwas näher zu bringen. Bei Blockchain handelt es sich um ein dezentrales Netzwerk mit 100%iger Überwachung durch alle im Netzwerk Befindlichen und Beteiligten. Jede/r TeilnehmerIn kann die vollständige Dokumentation bis hin zu Tag 1 einsehen und nachvollziehen. Ursprünglich ging es bei Blockchain um die Demokratisierung des Währungsaustausches, was auf diese Art und Weise natürlich funktioniert - aber wer verdient daran? Ein Thema das speziell in der Life Science Branche noch zu regen Diskussionen führen wird. Was Säuberli allerdings verraten durfte ist, dass IBM zurzeit in bereits über 400 Kundenprojekten mit dem Thema Blockchain involviert ist. In welchen Real-life-Anwendungen Blockchain bereits heute seinen Platz gefunden hat, erklärt er anhand von sogenannten Microfluidics: Diese winzigen, mit Flüssigkeit gefüllten QR-Codes oder auch Crypto Anchors befinden sich beispielsweise auf Teststreifen zum Messen von Blutzucker. Sobald Blut auf den dafür vorgesehenen Bereich trifft, fließt es durch den flüssigen QR-Code hindurch und macht ihn somit unlesbar - der Test kann in diesem Sinne nicht gefälscht bzw. erneut verwendet werden.

Eine Technologie für mein Unternehmen?

Chief Blockchain Strategist von SAP, Raimund Gross sprach einen wichtigen Punkt, vor allem für Unternehmen, an. Die Vorteile der digitalen Technologie sind nicht von der Hand zu weisen - aber ab wann und mit welchen Voraussetzungen macht es überhaupt Sinn auf Blockchain zu setzen?Will ich als Unternehmen vollständig transparent sein? Für all jene, die diese Frage mit NEIN beantworten, gibt es allerdings eine Lösung - Permission Blockchain. Diese ist im Gegensatz zu Public Blockchains nur für autorisierte TeilnehmerInnen zugänglich. SAP arbeitet derzeit in 25 verschiedenen Industriezweigen mit Blockchain-Lösungen - bis November 2019 erarbeiten Sie gemeinsam mit 12 ProjektpartnerInnen in Amerika an der Drug Supply Chain Security, welche die Nachvollziehbarkeit zurückgegebener Medikamente sicher stellen soll.

Multiple Source - Single Truth

Zum Abschluss der Vortragsreihe des Vormittags gewährte Arno Laeven lebhafte Einblicke in die Kryptowelt und begann seinen Beitrag mit dem auf Leinwand projizierten Satz "In paper we trust". Wenn wir heiraten unterzeichnen wir einen Vertrag, wenn wir ein Haus kaufen auch - auf Papier. Wir bezahlen mit Papier(geld), weil wir seit mehreren hundert Jahren auf Papier vertrauen. Deswegen fällt es uns umso schwerer dieses Vertrauen in digitale Prozesse oder Währungen zu setzen - aber wir haben es outgesourced, zu Banken die unser Geld hüten soll(t)en und schlussendlich 2008 ebenso Opfer der Weltwirtschafskrise wurden. Zufällig im selben Jahr als der Bitcoin auf dem Markt auftauchte, aber was bedeutet das? Blockchain braucht unser Vertrauen nicht mehr, denn es wird durch Verifizierung quasi obsolet. In der Blockchain garantieren eine eindeutige ID kombiniert mit fälschungssicherer Aufzeichnung, programmierbaren Tokens, verifizierbaren Regeln und einer gemeinsamen Infrastruktur die Nachvollziehbarkeit jeder (Trans)Aktion und somit den Vorteil dieser digitalen Technologie. "We just need to find the signal in the noise."

 

"Das Recht auf Vergessen" oder "Mehr als das Sammeln von Daten"

Speziell im Falle von sensiblen Daten (lt. DSGVO neu, Art 9 Abs 1 u.a. genetische, biometrische und Gesundheitsdaten) wird die Blockchain als Anwendung vor besondere Herausforderungen gestellt. In diesem Bezug spricht Eberhard Scheuer, Chairman der HIT Foundation (health information traceability foundation) von Problemen wie Sicherheit und Privatsphäre, Interoperabilität, Analyse sowie von Resultaten und deren Folgen. Während Großkonzerne kleinere Firmen kaufen um an deren Daten zu gelangen bzw. reger Handel mit Patientendaten betrieben wird, soll Blockchain zu einer Lösung führen von der nicht nur Wirtschaft, Wissenschaft & Forschung, sondern auch die Gesellschaft profitieren sollen. Während derzeit noch die HändlerInnen und VerkäuferInnen von Datenweitergabe profitieren, möchte HIT einen Token generieren, der nicht nur als Belohnung für die Digitalisierung und Weitergabe der eigenen Daten dient. Er soll im selben Zug auch, und natürlich nach Bedarf, gegen medizinische Services eingetauscht werden können. Somit wird ein Anreiz für den Patienten geschaffen seine anonymisierten Gesundheitsdaten freizugeben. Bessere Daten - bessere Prognosen.

Grapevine World als Vorreiter am österreichischen Markt


Dass lückenhafte Aufzeichnungen gerade in der Health Care Branche fatale Auswirkungen haben können, erzählt Wernhard Berger von grapevine world. Während in Amerika jährlich ca. 400 000 Menschen an den Folgen von Informationsmangel im Gesundheitssystem sterben, kostet eine klinische Studie pro Patient ca. 40 000 USD. Vor allem kennen wir die Probleme vom eigenen Arztbesuch: Der Hausarzt ist auf Urlaub, der Vertretungsarzt hat keinen Zugriff auf Ihre Daten und Sie selbst haben sich vermutlich auch nicht notiert, welche Medikamente Sie wann zuletzt zu sich genommen haben. Genau hier setzt grapevine world an: Das erst vor kurzem (Jan. 2017) gegründete Unternehmen ist Stiftungs-basiert und hat es sich zur Aufgabe gemacht sicheren und standardisierten Datenaustausch zu betreiben. Via App wird es möglich eine zusammengefasste Patientenakte zu generieren und zu führen, um beispielsweise maßgeschneiderte medizinische Versorgung und Betreuung möglich zu machen. Noch dazu steuert das Wiener Unternehmen mit der Vision von Big Health Data/Medical Research 4.0 auf ihr Token Listing im letzten Quartal dieses Jahres zu. Die für Daten gewonnene Tokens können wie bereits erwähnt entweder gegen andere Kryptowährungen/-güter oder medizinische Services getauscht werden.

 

Supply Chain: Sendungsverfolgung in Echtzeit


Wir kennen es von Bestellungen aller Art: die Sendungsrückverfolgung. Gerade in den Life Sciences und mit dem Fokus auf pharmazeutische Produkte ist die Sendungsrückverfolgung und noch mehr die -überwachung ein kritisches Thema. Manche Medikamente reagieren auf Schock, andere auf Temperaturschwankungen usw. - wie kann ich also gewährleisten, dass meiner Lieferung in dieser Hinsicht nichts passiert? Die Lösung kommt von Modum.io. Stefan Weber (COO modum.io) macht es mit seiner Supply Chain Lösung möglich, z.B. temperatursensible Medikamente vom Hersteller bis hin zum Empfänger lückenlos und in Echtzeit zu überwachen. Hierzu braucht es lediglich einen Logger im Paket, der via NFC-Übertragung Daten zum Endkunden übermittelt. Diese Übertragungsart hat lediglich eine Reichweite von einigen Meter, es wird aber bereits an wesentlich "größerem" gearbeitet. Seit 2014 ist das Interesse von Firmen an Supply Chain Lösungen bezüglich Temperaturlogistik um 65% gestiegen.

 

ARTIS verspricht Nachhaltigkeit

Ein Aspekt der oft außen vor gelassen wird ist, dass Blockchain-basierende Systeme wahre Energiefresser sind. Thomas Zeinzinger vom BlockchainHub Graz/lab10collective und sein Team haben sich in dieser Hinsicht auf die Suche nach einer nachhaltigen Form von Blockchain gemacht. Bei ARTIS wird die Skalierbarkeit anhand von "streems" gemessen. Streems bezeichnen die Zahlmethode und wurden erklärt als eine Art Wasserhahn, bei welchem man selbst entscheiden kann wieviel Geld fließt, wie schnell und wie lange. Der Energieverbrauch soll ebenso auf ein annehmbares Level gesenkt werden und Eintrittsbarriere (= z.B. bereits verfügbare Token) gibt es keine. Die Registrierung in dieser öffentlichen Blockchain soll anonym erfolgen, wobei die eigene Identität definiert werden kann. Mittels "Minerva-App" werden Transaktionen, Kommunikation, Währungswechsel und geteilte Nutzung von Ressourcen Usability-freundlich möglich gemacht. Ziel ist es, dass mind. 75% der im Netzwerk befindlichen Token an Personen gehen, nicht an Miner.

Fotocredit: cu-pictures

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